SEO oder GEO: Wo müssen Unternehmen sichtbar sein?

Suche und KI im Datenfluss

Jahrelang war die Aufgabe vergleichsweise klar: Wer online gefunden werden wollte, musste bei Google möglichst weit vorne stehen. Mit ChatGPT, Gemini und anderen KI-Systemen entsteht nun ein zweiter wichtiger Zugang zu Informationen, Produkten und Dienstleistungen. Für Unternehmen stellt sich deshalb nicht die Frage, ob SEO oder GEO wichtiger ist, sondern wie beide Formen der Sichtbarkeit sinnvoll miteinander verbunden werden können.

1. SEO und GEO verfolgen unterschiedliche Ziele

SEO steht für Search Engine Optimization, also Suchmaschinenoptimierung. Das klassische Ziel besteht darin, eine Website für relevante Suchanfragen möglichst gut in den organischen Suchergebnissen zu positionieren. Dabei spielen unter anderem Inhalte, Technik, interne und externe Verlinkungen sowie die Struktur einer Website eine Rolle.

GEO steht dagegen für Generative Engine Optimization. Hier geht es nicht primär darum, auf einer klassischen Ergebnisseite Position 1 zu erreichen. Unternehmen möchten vielmehr in Antworten generativer Systeme als relevante Quelle, Anbieter oder Experte berücksichtigt werden.

Der Unterschied lässt sich vereinfacht so beschreiben: Bei SEO soll eine Website gefunden und angeklickt werden. Bei GEO soll ein Unternehmen oder dessen Inhalt verstanden, eingeordnet und in einer Antwort berücksichtigt werden.

Auch die Erfolgsmessung verändert sich dadurch. Bei SEO stehen Rankings, Impressionen und Klicks im Vordergrund. Bei GEO werden Erwähnungen, Quellenangaben und die Wahrnehmung eines Unternehmens als vertrauenswürdige Informationsquelle wichtiger.

2. Warum SEO weiterhin die Grundlage bleibt

Die zunehmende Nutzung von KI-Systemen bedeutet nicht, dass klassische Suchmaschinenoptimierung überflüssig wird. Das wäre aus meiner Sicht ein grundlegender strategischer Fehler.

Menschen suchen weiterhin bei Google nach Produkten, Dienstleistungen, Unternehmen und konkreten Lösungen. SEO sorgt dafür, dass eine Website für diese Nachfrage auffindbar ist. Gute Sichtbarkeit erhöht die Chance, genau von den Nutzern entdeckt zu werden, die bereits nach einer passenden Dienstleistung oder einem Produkt suchen.

Die Grundlagen haben sich dabei weniger verändert, als manche Diskussion über künstliche Intelligenz vermuten lässt. Unternehmen benötigen weiterhin verständliche Seitenstrukturen, relevante Inhalte, sinnvolle Überschriften, interne Verlinkungen und technisch gut erreichbare Seiten. Inhalte sollten sich daran orientieren, welche Fragen die gewünschte Zielgruppe tatsächlich stellt.

Genau diese Grundlagen helfen gleichzeitig bei GEO.

Eine sauber strukturierte Website mit eindeutigen Themen, nachvollziehbaren Aussagen und fachlich hochwertigen Informationen lässt sich nicht nur von Suchmaschinen besser einordnen. Sie schafft auch eine bessere Grundlage dafür, dass KI-Systeme Zusammenhänge zwischen einem Unternehmen, seiner Expertise und bestimmten Themen erkennen können.

SEO ist deshalb nicht der alte Kanal, der nun durch GEO ersetzt wird. Gutes SEO ist in vielen Bereichen die Voraussetzung für erfolgreiche GEO-Maßnahmen.

3. GEO verändert die Spielregeln der Sichtbarkeit

Trotz vieler Überschneidungen verlangt GEO ein erweitertes Denken.

Bei einer klassischen Google-Suche erhält der Nutzer eine Liste verschiedener Ergebnisse und entscheidet selbst, welche Website er aufruft. Ein KI-System kann dagegen bereits eine zusammengefasste Antwort liefern. Der Nutzer muss dafür nicht zwingend mehrere Websites besuchen.

Damit verändert sich der Wettbewerb.

Es reicht nicht mehr ausschließlich, bei einem bestimmten Keyword gut zu ranken. Ein Unternehmen muss für ein Thema so eindeutig positioniert sein, dass Systeme seine Inhalte verstehen und im passenden Kontext berücksichtigen können.

Dafür werden beispielsweise strukturierte Inhalte, nachvollziehbare Quellen, eindeutige Unternehmens- und Personeninformationen sowie Vertrauenssignale wichtiger. Auch der Aufbau eigener fachlicher Inhalte und die systematische Überprüfung von KI-Antworten können dazu beitragen, die Sichtbarkeit in generativen Systemen gezielt zu verbessern.

Aus meiner Erfahrung mit SEO ergibt sich daraus eine wichtige Konsequenz: Unternehmen sollten nicht anfangen, ihre Texte künstlich für ChatGPT umzuschreiben. Entscheidend ist vielmehr, fachlich eindeutige Inhalte zu veröffentlichen, die konkrete Fragen beantworten und klar erkennen lassen, wer hinter diesen Informationen steht.

4. Wo Unternehmen künftig sichtbar sein müssen

Unternehmen sollten ihre Online-Sichtbarkeit deshalb nicht mehr nur als Google-Ranking betrachten.

Ein Interessent kann heute beispielsweise zunächst Google nutzen, anschließend bei ChatGPT nach geeigneten Anbietern fragen und danach noch die Website eines empfohlenen Unternehmens besuchen. Andere Nutzer beginnen ihre Recherche direkt in einem KI-System.

Damit entstehen mehrere Kontaktpunkte.

Ein Unternehmen sollte deshalb möglichst dort präsent sein, wo Nutzer Informationen beschaffen: in klassischen Google-Suchergebnissen, in relevanten Fachquellen, auf der eigenen Website und zunehmend auch in den Antworten generativer Systeme.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Unternehmen nun gleichzeitig zehn Plattformen optimieren muss. Entscheidend bleibt die Zielgruppe. Eine tragfähige Optimierungsstrategie beginnt mit einer klaren Zieldefinition sowie dem Verständnis von Zielmarkt und Zielgruppe.

Genau das gilt auch für GEO.

Wer seine Kunden nicht kennt und keine klare fachliche Positionierung besitzt, wird weder durch zusätzliche Keywords noch durch neue KI-Techniken dauerhaft sichtbar.

5. SEO und GEO brauchen eine gemeinsame Strategie

Unternehmen sollten SEO und GEO daher nicht als zwei voneinander getrennte Projekte betrachten.

Der sinnvollere Ansatz lautet: Erstellen Sie Inhalte, die Menschen weiterhelfen, von Suchmaschinen verstanden werden und zugleich ausreichend eindeutig und vertrauenswürdig sind, um auch für generative Systeme interessant zu sein.

Dazu gehören fachlich fundierte Themenseiten, klare Antworten auf relevante Fragen, eine verständliche Seitenstruktur, aussagekräftige Überschriften, interne Verlinkungen und eine nachvollziehbare Positionierung des Unternehmens. Inhalte müssen sich an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren und einen tatsächlichen Mehrwert bieten.

Aus meiner Sicht liegt hier auch einer der größten Fehler in der aktuellen GEO-Diskussion: Manche Unternehmen suchen bereits nach dem nächsten technischen Trick für ChatGPT, obwohl ihre Website noch nicht einmal die grundlegenden Fragen ihrer Kunden überzeugend beantwortet.

Die Reihenfolge sollte umgekehrt sein.

Zuerst muss ein Unternehmen im Internet fachlich klar erkennbar werden. Danach kann gezielt daran gearbeitet werden, diese vorhandene Autorität auch für KI-Systeme besser sichtbar zu machen.

Die Zukunft lautet deshalb nicht SEO oder GEO. Sie lautet SEO und GEO.

Unternehmen, die heute eine starke Suchmaschinenpräsenz aufbauen und gleichzeitig lernen, wie generative Systeme Informationen auswählen und einordnen, schaffen sich einen entscheidenden Vorteil: Sie werden dort gefunden, wo ihre potenziellen Kunden künftig suchen – unabhängig davon, ob die Suche mit Google, ChatGPT, Gemini oder einem anderen System beginnt.